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Besuch in Mollahat

Reisebericht

Zu Besuch bei ADAMS in Mollahat

 

Überall wo man hinschaut ist es grün. Es gibt Bananenpalmen, Kokospalmen, Dattelpalmen, Mango- und Litschibäume. Große Fischteiche vervollständigen diese idyllische Landschaft. Die Luft ist frisch, frei von Abgas, Staub und Smog. Im Vergleich zu den Bedingungen in der Millionenstadt Khulna mit ihren vielen Slumgebieten die reinste Wohltat. So kann aber auch nur jemand denken, der hier nur auf Durchreise ist. Der hier nicht auf Dauer leben muss und das Glück hat, in ein paar Tage wieder abzureisen. Denn auch hier im ländlichen Mollahat ist die Armut groß. Vielleicht sieht sie auf den ersten Blick nicht so schlimm aus – gerade wenn man erst die Slumgebiete von Khulna gesehen hat. Die Hütten hier bestehen meist aus Bambus, Schilf, und Lehm und nicht wie in Khulna aus Müll. Doch möchte man selber in einer solch winzigen Hütte, ohne Licht, ohne fließend Wasser, mit seiner ganzen Familie leben? Das Leben hier ist hart. Viele Mütter und Väter arbeiten als Hilfskräfte auf den Feldern, bauen Reis oder Gemüse an. Sie arbeiten den ganzen Tag. Von morgens bis abends. Und am Ende reicht das gerade so, um über die Runden zu kommen. Es darf keine Lohnausfälle geben. Niemand darf krank werden. Die Familien sind auf jeden Taka angewiesen.

 

Ärztliche Behandlungen auch für die Ärmsten – Die Gesundheitsstation in Mollahat

„Ungefähr 70 % der Menschen im ländlichem Raum haben keinen Zugang zu ärztlichen Behandlungen“, sagt Ali Aslam, Geschäftsführer unserer bengalischen Partnerorganisation ADAMS. „Daher sind die Ärzte hier so besonders wichtig!“ Gerade haben wir die Vorschulen und Kreditgruppen von ADAMS besucht und sind jetzt in der Gesundheitsstation an der Hauptstraße von Mollahat angelangt. Vor der Anmeldung der Gesundheitsstation bildet sich eine lange Schlange. Viele Mütter mit ihren Kindern sind auch heute wieder gekommen. „Wie ihr sehen könnt, ist der Bedarf riesengroß!“, sagt Dr. Badol Chandra Debnath. Er führt uns gemeinsam mit seinen beiden Kollegen, Dr. Amit Baran Adhya und Dr. Swapon Mozumder, durch die Station und erklärt uns, wie hier alles funktioniert.

 

„Wir sind sehr froh, dass wir die drei jungen Ärzte gefunden haben“, sagt Ali Aslam. „Für gewöhnlich wollen Ärzte nicht hierher aufs Land. Alle wollen sie in den großen Städten wie Dhaka arbeiten. Deshalb bekommen wir nur junge Uni-Absolventen, die noch zu wenig Erfahrung haben, um in Dhaka eine Anstellung zu bekommen. Hier bei uns können die jungen Ärzte Erfahrungen sammeln. Leider sind sie dann aber auch nach einiger Zeit schnell wieder weg. Aber bisher haben wir immer wieder einen Arzt gefunden.“ In seinem Behandlungszimmer zeigt uns Dr. Swapon Mozumder das Ultraschallgerät und erklärt uns die Anwendung ausführlich. „Eigentlich haben wir hier in der Gesundheitsstation nur eine Arztstelle“, erklärt uns Ali Aslam. „Die drei Ärzte teilen sich jetzt diese eine Stelle. Das heißt, jeder von ihnen kommt zwei bis drei Tage die Woche aus der Stadt hierher, um die Patienten zu behandeln. Das bringt viele Vorteile mit sich. Zum Beispiel, wenn einer von ihnen krank wird oder in Urlaub fährt, brauchen wir nicht wie früher die ganze Station zu schließen. Und wenn einer der drei Ärzte sich wegbewirbt, haben wir immer noch zwei, die weiterhin kommen. Dass alle drei Ärzte gleichzeitig woanders eine Anstellung bekommen, ist sehr unwahrscheinlich. So haben wir dann genügend Zeit, um auf die Suche nach einem neuen Arzt zu gehen.“

 

Wir gehen weiter durch die Gesundheitsstation, besuchen die Patienten und kommen in den Operationssaal. Dr. Amit Baran Adhya berichtet von den Operationen, die sie hier durchführen, von den Patienten und ihren Leiden. „Nebenan liegt ein sieben Monate altes

Kind. Die Mutter hat es gestern erst hierhergebracht. Es leidet an einer schweren Lungenentzündung. Wir haben es untersucht und Medikamente verschrieben. Heute geht es ihm schon ein ganz klein wenig besser.“ Auffällig ist, wie engagiert und motiviert die drei jungen Ärzte sind. „Eine Bitte haben wir“, sagt Dr. Swapon Mozumder. „Wir haben immer wieder Probleme mit Stromausfällen. Ihr könnt euch vorstellen, dass das sehr schwierig ist, wenn man gerade am Operieren ist und die Geräte alle ausfallen. Wenn es Nacht ist, müssen wir dann immer Taschenlampen holen, damit wir weitermachen können. Ein Generator wäre wirklich eine große Hilfe.“ „Und eine kleine Ambulanz auch!“, ergänzt Dr. Badol Chandra Debnath. „Es ist sehr schwierig, hochschwangere Frauen oder Verletzte mit Rikschas oder ähnlichem hierher in die Gesundheitsstation zu bringen. Und wenn wir schwierige Fälle haben, die wir hier nicht behandeln können, müssen wir schnell reagieren und die Patienten in die Stadt in ein großes Hospital fahren. Es muss ja auch nichts Teures sein. Eine alte gebrauchte Ambulanz (VW-Bus mit einfacher Liege und zwei Sitzen darin) würde vollkommen ausreichen. Die kosten auch nicht so viel.“ Wir versprechen den drei engagierten Ärzten, in Deutschland insbesondere dem Aktionskreis Dritte Welt Holweide e.V., der diese Gesundheitsstation seit vielen Jahren unterstützt, von ihrem Anliegen zu berichten und unser bestes zu tun, sie zu unterstützen. „Richtet aber bitte auch unseren herzlichen Dank aus, wenn ihr zurückfahrt!“, bitten uns die Ärzte bei unserem Abschied.

 

Hoffnung für die Jugend – Das Ausbildungszentrum von Mollahat

Es herrscht ein ständiges Hämmern, Sägen, Surren und Prasseln. Im Berufsausbildungszentrum von Mollahat ist immer viel los. Junge Menschen wuseln überall herum und sind fleißig am Werkeln. „Alleine im letzten Jahr haben 268 Jugendliche hier ihre Ausbildung erfolgreich absolviert“, berichtet Takim Sarder. Seit 2013 ist er Einrichtungsleiter im Berufsausbildungszentrum Mollahat. „Vorher habe ich das Berufsausbildungszentrum in Khulna geleitet. Der Vorstand von ADAMS hat mich dann gebeten, hierher zu kommen, weil die damalige Leitung aufgehört hatte. Wie du siehst, habe ich die Herausforderung angenommen.“ Takim Sarder zeigt uns eine Übersicht über die verschiedenen Ausbildungszweige. „Die Jugendlichen können hier eine Ausbildung in Mechanik, Elektrik, Schweißen, Schreinern, Schneidern und in der Computeranwendung machen. Die Kurse dauern ein Jahr. Nur im Schneidern dauert die Ausbildung sechs Monate. Im Computerkurs sogar nur drei Monate.“

 

Gemeinsam mit Asif Mahmud, einem langjährigen Mitarbeiter von ADAMS, besuche ich die verschiedenen Ausbildungskurse. Wir sehen, hier ist mächtig was los. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sind sehr engagiert, einige sind schon seit vielen Jahren mit dabei und setzen sich für die jungen Menschen ein. „Wir nähen hier Hemden, Hosen und Röcke in allen Größen und Längen“, erzählt uns die Ausbilderin im Schneiderinnenkurs. „Außerdem lernen die jungen Frauen hier, wie man batikt, Stoffe bedruckt und stickt. Später, nach der Ausbildung, wollen die meisten zuhause bei sich einen kleinen Laden aufmachen. Die Nachbarn und die Menschen aus den umliegenden Dörfern kommen dann zu ihnen und bestellen Kleidung nach Maß. Es kommt aber auch vor, dass die Mädchen in die Stadt wollen, nach Tangail, Khulna oder Dhaka, um dort in den Fabriken zu arbeiten. Hier im ländlichen ist insbesondere in der Regenzeit nicht viel los. Und es ist dann schwer, Geld zu verdienen. In den großen Fabriken bekommen die Mädchen jeden Monat ihren Gehalt. Auch in der Regenzeit. Das macht die Fabriken für immer mehr junge Frauen reizvoll. Mit unserer Ausbildung haben sie die Chance, eine Firma auszusuchen, in der es anständige Arbeitsbedingungen gibt. Ein Problem haben wir allerdings: Damit unsere Auszubildenden auch gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben, ist es notwendig, sie an modernen Geräten auszubilden. Seht ihr, viele Nähmaschinen hier sind sehr alt. Wir würden gerne neue

elektrische Nähmaschinen anschaffen, damit unsere Auszubildenden bestmögliche Chancen haben.“

 

Wir fahren nach Baroghat. Ali Aslam möchte uns zeigen, wie erfolgreich die Ausbildung von ADAMS in Mollahat ist. Wir lernen Milon Rabidash kennen. Er hat im Jahr 2008 einen Computerkurs im Berufsausbildungszentrum besucht. „Früher mussten wir um alles kämpfen“, erzählt Milon Rabidash. „Mein Vater hat als Hilfskraft gearbeitet, meist auf den Feldern. Das war wirklich harte Arbeit. Vielleicht hast du schon mal gesehen, wie die Arbeiter riesengroße Heuballen den ganzen Tag auf dem Kopf transportieren. Mein Vater hat das auch gemacht. Ich bin nach der zehnten Klasse von der Schule gegangen. Gerne hätte ich weitergemacht, doch ich musste meiner Familie unter die Arme greifen. Doch dann habe ich durch Freunde von dem Berufsausbildungszentrum erfahren. Es klang alles sehr gut, und ich habe mich informiert, was man alles lernen kann. Computer und Technik haben mich schon immer interessiert. Ich war sehr froh, dass mein Schulabschluss für diese Ausbildung reichte. Der Ausbildungskurs war dann auch sehr gut. Ich habe vieles gelernt. Nachher habe ich mir von einigen Nachbarn 50.000 Taka (ca. 586,- Euro) geliehen, einen Computer gekauft und diesen Laden hier aufgebaut. Ein Freund von mir, der ebenfalls die Ausbildung im Zentrum gemacht hat, ist mittlerweile als Partner hier im Geschäft eingestiegen. Wir teilen uns den Gewinn jeweils zu 50 %. Der Laden läuft sehr gut. Die Leute, vor allem die, die nicht lesen und schreiben können, kommen zu mir, und ich schreibe ihnen Briefe und E-Mails, fülle Behördenformulare aus, recherchiere für sie im Internet oder mache Kopien. Seit kurzem habe ich auch angefangen, Handyreparaturen anzubieten. Am Ende des Monats verdiene ich so ca. 15.000 bis 20.000 Taka (ca. 176,- bis 234,- Euro), je nachdem, wie viele Aufträge wir bekommen. Mir geht es heute sehr gut, und ich kann sogar mit meinem Gehalt meine Eltern unterstützen. Ich danke allen, die mir die Ausbildung ermöglicht haben.“        

 

Viele Grüße aus Mollahat, Bangladesch

Stefan Herr

Info - Brief 06/2016

BriefInfoJuni2016.pdf

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